Für Unternehmer und Freiberufler

Ertragsteuerliche Behandlung der Kindertagespflege

8. Mai 2017

Der Betreuungsbedarf von jüngeren Kindern wird nicht nur durch Kindertagesstätten, sondern auch durch Kindertagespflegepersonen (Tagesmütter/-väter) abgedeckt, die ein den Kindertagesstätten vergleichbares Angebot im familiären Rahmen bieten. Die Einnahmen hieraus müssen steuerlich richtig gewürdigt werden. Des Weiteren stellt sich in diesen Konstellationen auch die Frage, welche Ausgaben steuermindernd gegengerechnet werden können. Zu diesen Fragen hat die Finanzverwaltung mit Schreiben vom 11.11.2016 (Aktenzeichen IV C 6 – S 2246/07/10002 :005) ausführlich Stellung genommen.


Zunächst muss grundlegend geprüft werden, welche Einkunftsart vorliegt:




  • Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit: Betreut die Kindertagespflegeperson ein Kind oder mehrere Kinder in dessen/deren Familie nach Weisungen der Personensorgeberechtigten, ist sie in der Regel Arbeitnehmer und die Personensorgeberechtigten sind die Arbeitgeber. In diesem Fall werden Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit erzielt. Der Arbeitgeber hat Lohnsteuer einzubehalten und an das Finanzamt abzuführen. Daneben ist die Sozialversicherungspflicht zu prüfen. Kosten im Zusammenhang mit der Tätigkeit können in tatsächlicher Höhe als Werbungskosten steuerlich geltend gemacht werden. Alternativ wird der sog. Arbeitnehmerpauschbetrag in Höhe von 1 000 € abgezogen.


Hinweis:


In diesem Fall müssen insbesondere auch die Personensorgeberechtigten als Arbeitgeber ihre steuerlichen Pflichten prüfen. Als Arbeitgeber können diese u.U. für nicht abgeführte Lohnsteuer und Sozialversicherung haften.




  • Einkünfte aus selbständiger Arbeit: Wird die Kindertagespflege im Haushalt der Kindertagespflegeperson, der Personensorgeberechtigten des Kindes oder in anderen geeigneten Räumen vorgenommen und werden die Kinder verschiedener Personensorgeberechtigter eigenverantwortlich betreut, handelt es sich um eine selbständige erzieherische Tätigkeit. Diese Einkünfte sind zwingend in der Einkommensteuererklärung zu erklären.


Hinsichtlich der Ermittlung des Gewinns bei einer selbständigen Kindertagespflegeperson gilt:




  • Betriebseinnahmen: Die von der Kindertagespflegeperson vereinnahmten Einnahmen sind als steuerpflichtige Einnahmen aus freiberuflicher Tätigkeit zu erfassen und zwar unabhängig davon, wer diese leistet, also ob diese von den Sorgeberechtigten, einem Träger der öffentlichen Jugendhilfe oder z.B. auch dem Arbeitgeber der Sorgeberechtigten gezahlt werden.


Hinweis:


Die vom Träger der öffentlichen Jugendhilfe geleisteten Erstattungen für Beiträge zu einer Unfallversicherung, zu einer angemessenen Alterssicherung und zu einer angemessenen Kranken- und Pflegeversicherung sind steuerfrei.




  • Abzug der tatsächlichen Betriebsausgaben: Von den steuerpflichtigen Einnahmen sind die tatsächlich angefallenen und nachgewiesenen Betriebsausgaben abzuziehen. Zu den Betriebsausgaben einer Kindertagespflegeperson gehören z.B.

  • Nahrungsmittel, Ausstattungsgegenstände (Mobiliar), Beschäftigungsmaterialien, Fachliteratur, Hygieneartikel,

  • Miete und Betriebskosten der zur Kinderbetreuung genutzten Räumlichkeiten,

  • Kommunikationskosten,

  • Weiterbildungskosten,

  • Beiträge für Versicherungen, soweit unmittelbar mit der Tätigkeit im Zusammenhang stehend,

  • Fahrtkosten,

  • Freizeitgestaltung.


Hinweis:


Keine Betriebsausgaben sind die von der Kindertagespflegeperson gezahlten Beiträge zur Alterssicherung, Unfallversicherung und zu einer angemessenen Kranken- und Pflegeversicherung. Diese können ggf. als Sonderausgaben geltend gemacht werden.


Die tatsächlich angefallenen Betriebsausgaben sind anhand entsprechender Belege nachzuweisen. Die Gewinnermittlung kann im Regelfall mittels Einnahmen-Überschussrechnung erfolgen. Insoweit reicht eine geordnete Sammlung der Belege. Hinsichtlich der zeitlichen Zuordnung der Ausgaben ist grundsätzlich der Zahlungszeitpunkt maßgebend.




  • Betriebsausgabenpauschale für betreute Kinder: Bei der Ermittlung der Einkünfte aus der Tätigkeit als Kindertagespflegeperson lässt es die Finanzverwaltung aus Vereinfachungsgründen zu, dass anstelle der tatsächlichen Betriebsausgaben von den erzielten Einnahmen 300 € je Kind und Monat pauschal als Betriebsausgaben abgezogen werden. Der Betriebsausgabenpauschale liegt eine wöchentliche Betreuungszeit von 40 Stunden zugrunde. Soweit die tatsächlich vereinbarte Betreuungszeit hiervon abweicht, ist die Betriebsausgabenpauschale zeitanteilig zu kürzen. Beträgt z.B. die wöchentliche Betreuungszeit nur 30 Stunden, so beträgt die Betriebsausgabenpauschale für dieses Kind 300 € / 40 Stunden x 30 Stunden = 225 €.

  • Betriebsausgabenpauschale für Freihalteplätze: Werden der Kindertagespflegeperson laufende Geldleistungen für sog. Freihalteplätze gezahlt, die im Fall einer Krankheits-, Urlaubs- oder Fortbildungsvertretung einer anderen Kindertagespflegeperson kurzfristig belegt werden können, wird bei der Ermittlung der Einkünfte aus selbständiger Arbeit aus Vereinfachungsgründen zugelassen, dass anstelle der tatsächlichen Betriebsausgaben von den für den Freihalteplatz gezahlten Einnahmen 40 € je Freihalteplatz und Monat pauschal als Betriebsausgaben abgezogen werden. Bei Belegung der Freihalteplätze ist die Betriebsausgabenpauschale zeitanteilig (Verhältnis der Tage der Belegung des Freihalteplatzes im Monat zu pauschal 20 Arbeitstagen im Monat) zu kürzen.


Hinweis:


Findet die Betreuung im Haushalt der Personensorgeberechtigten oder in unentgeltlich zur Verfügung gestellten Räumlichkeiten als selbständige Tätigkeit statt, können die Betriebsausgabenpauschalen nicht abgezogen werden. In diesen Fällen ist nur der Abzug der tatsächlichen Betriebsausgaben möglich.


Die Betriebsausgabenpauschalen dürfen nur bis zur Höhe der Betriebseinnahmen abgezogen werden. Es können entweder die Betriebsausgabenpauschalen in Anspruch genommen oder die tatsächlichen Betriebsausgaben abgezogen werden. Somit ist neben den Betriebsausgabenpauschalen ein zusätzlicher Abzug tatsächlicher Betriebsausgaben nicht zulässig. Im Einzelfall ist also zu überprüfen, ob der Ansatz der tatsächlichen Betriebsausgaben oder der Betriebsausgabenpauschale günstiger ist. Daher sind regelmäßig zunächst die tatsächlich angefallenen Betriebsausgaben aufzuzeichnen und entsprechende Belege aufzubewahren.

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